Der jüdische Friedhof am Hörder Kampweg


 

Der Hörder Kampweg ist eine Seitenstraße der Benninghofer Straße. Auf dessen linker Seite hinter der Einmündung der Alemannenstraße begrenzt eine Mauer ein unbebaut erscheinendes Grundstück, das Grundstück, das der jüdische Hörder Kaufmann Julius Udewald 1911 im Namen seiner jüdischen Synagogengemeinde Hörde für einen notwendigen neuen jüdischen Friedhof durch die zuständige Wellinghofer Behörde erworben hat.
Dieser (inzwischen dritte Hörder) Friedhof, angelegt nach jüdischer Vorschrift ausserhalb der geschlossenen Ortschaft, sollte "Beit Olam", Haus der Ewigkeit, für die verstorbenen jüdischen Menschen Hördes - 1927 lebten rund 400 Juden in Hörde - werden, Haus für die Ewigkeit, unantastbar, unveränderbar, bleibende Gedenkstätte bis zum Jüngsten Tag, der von Osten her kommen wird, wohin die Gräber schauen. Die furchrbaren Zeiten des vergangenen Jahrhunderts haben Spuren hinterlassen, z.B. verschwand das kleine Gebäude, im Volksmund "Tempel" genannt; der Holocaust markierte das Ende der Belegung. Doch viele Bestattungen ab 1911 und auch übertragene Grabstätten bis in die NS-Zeit hinein sowie Erinnerungen an den „ Tod im Osten“ haben auch heute am Hörder Kampweg einen beschützten guten Ort.

Grabstein des Abraham Sohn des Moses, gestorben 1843 in Hörde     Foto: Dr. Fritz Hofmann

"Guter Ort", Ort der Heimat, nannten und nennen die Lebenden den Friedhof, ihren Besuch durch einen Stein auf dem besuchten Grab bezeugend. Gleich hinter der Friedhofsmauer, rechts von dem Eingangstor, steht ein Grabstein des 19. Jahrehunderts, der von einem jüdischen Friedhof in Hörde stammt, der aufgegeben werden musste, weil das Stahlwerk das Gelande brauchte. Abraham Sohn das Moses heisst der 1843 verstorbene Mann. Die Inschriften auf seinem Grabstein lassen erkennen, dass die Judenemanzipation im damals preussischen Hörde noch in den Anfängen steckte: Namensgebung, Schrift sind hebriäsch, die Angleichung an deutsche Schriftsprache und die Abkehr von Tora-/Talmudbrauchtum haben noch nicht begonnen . Pi/nun: "Hier ruht" ist Anzeige des Grabbesitzers, der in hebräischen Wendungen beschrieben wird als "Zadik", als Gerechter. In Form und Ornamentik symbolisiert der Grabstein ein Haus, das Haus des Toten auf seinem Friedhof, für immer. Geht man über den Friedhof, verweilt bei einzelnen Grabstätten, dann erlebt man an den Inschriften den Wandel jüdischer Existenz in Hörde, die Assimilation in der Heimat Hörde, in Deutschland. Die Grabsteine haben andere Formen, hebräische Inschriften sind weitgehend durch lateinische Buchstaben ersetzt. Doch nicht alle: das Pi/nun, „hier ruht“ bleibt hebräisches Gebot und die Schlussformel lautet weiterhin in der Sprache der Bibel:
"Sein/ihr Name sei eingebunden in das Buch des Lebens".

von Dr. Fritz Hofmann