Benninghofer Geschichte


 

Seinen Namen verdankt Benninghofen einem alten Herrensitz, der urkundlich erstmals 1268 genannt wird. Als die Stadt Hörde 1340 gegründet wurde, wohnte auf dem Adelsgut der Ritter Heinrich von Benninghofen. Er hinterließ das Gut und die dazugehörigen Kotten seinen vier Töchtern. Kaum ein anderes Herrenhaus in der Umgebung hat im Laufe der Jahrhunderte so oft den Besitzernamen durch Heirat oder Übertragung gewechselt wie das Haus Benninghofen, da oftmals die männlichen Erben fehlten. Im 15. Jahrhundert kam das Gut an die Herren von Holtey, eine alte Ritterfamilie, die von dem in Eichlinghofen gelegenen Holteyer Hof stammte. Schon im 14. Jahrhundert hatten die Holteys das dem Benninghofer Gut benachbarte Haus Bruch erworben. Sie waren Burgmannen von Hörde und damit Dienstleute der Grafen von der Mark. Goswin von Holtey war um 1380 Droste des Amtes Hörde. Die Benninghofer Holteys starben 1580 aus. Danach war das Haus Benninghofen im Besitz verschiedener Verwandter wie der von Schell, von Aldenbockum, von Schütz und von Neuhoff, denen auch das Haus Ermlinghofen gehörte. 1784 erwarb der Freiherr von Hauß zu Niederhofen durch Kauf das Adelsgut Benninghofen, ebenso das Haus Bruch. Zwischen 1813 und 1822 verkaufte er jedoch den gesamten Grundbesitz der beiden Häuser an die Bauern, Kötter und Neusiedler der Umgebung. Den einstigen Adelssitz Benninghofen mit etwa 10ha Land erwarb 1821 der Bauer Wienke, genannt Steffen, zu einem Preis von 1540 Talern. Mach der Aufteilung der Markenwaldungen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts blieb unter den ehemaligen Markgenossen das Zusammengehörigkeitsgefühl noch lange lebendig. Unter den Benninghofer Bauern war es besonders stark ausgeprägt. Sie bildeten gegenüber den kleinen Einliegern und Handwerkern, vor allem aber gegenüber den seit 1840 allmählich einwandernden Industriearbeitern eine geschlossene bäuerliche Oberschicht. Die ehemaligen Benninghofer Markgenossen pflegten diese Zusammengehörigkeit noch bis Anfang dieses Jahrhunderts. Sie nannten sich "Altkontervobeln", von Altkontribualen abgeleitet, das heißt Alt-Anteilhaber. Es waren die Bauern Füßmann, Steinweg-Berger, Steffen, Althoff, Wienold, Storck-Schade, Rotthof-Silbersiepe, Kettler, Uhlenbruch und Dünnbier-Ufer. Wie in früheren Zeiten die Markgenossen, so kamen auch sie weiterhin jährlich zu einer offiziellen Versammlung zusammen. Sie besaßen sogar gemeinsam einen eigenen Totenwagen, den die übrigen Einwohner gegen eine Gebühr mitbenutzen konnten. Das Selbstgefühl dieser alteingesessenen Bauern gründete sich auf eine oft Jahrhunderte alte Hof- und Familiengeschichte, aber auch auf den freien Besitz am heimatlichen Wald. Das alte Benninghofer Herrenhaus, das schon seit 1753 nicht mehr als Adelssitz diente, wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts abgerissen. Nur das ehemalige Torhaus, das die Benninghofer später "die Burg" nannten, blieb stehen. Es war ein altersgraues schmuckloses Gebäude, das früher zeitweilig auch als Schafstall und Wagenremise gedient hatte.

altes Torhaus Benninghofen

Umgeben war die ,,Burg" von einem breiten Wassergraben, den man später zuschüttete, als in dem Haus einige Wohnungen eingerichtet wurden. Das ehemalige Torhaus, der Rest des alten Benninghofer Rittersitzes, musste 1960 der Großsiedlung zwischen der Albinger Straße und der Straße ,,An der Hundewiese" weichen. Westlich dieser Siedlung, in der Nähe des Gräfenkämperschen Hofes, lag das Haus Bruch, im 14. Jahrhundert saßen auf diesem Adelssitz die Ritter von Holtey, denen später, wie erwähnt, auch das Haus Benninghofen gehörte. Im 17. Jahrhundert war Haus Bruch im Besitz der Herren von der Goy. Während des Wellinghofer Kirchenstreits standen die Brüder Gerhard und Johann von der Goy mit besonderem Eifer auf der Seite der lutherischen Gemeinde. Auf dem Höhepunkt dieses Streits ließ der Kurfürst von Brandenburg den Johann von der Goy gefangen nehmen und seine Ernte beschlagnahmen. Im 18. Jahrhundert verfiel Haus Bruch. Das südlich davon an der heutigen Overgünne gelegene Haus Erlenkamp war kein eigener Rittersitz, sondern nur ein Anhängsel des Hauses Bruch und wurde zeitweise von Mitgliedern der adligen Familien dieses Hauses bewohnt. Der westlich von Haus Bruch gelegene Ortsteil Brücherhof war noch Mitte des 18. Jahrhunderts ein dichtes Waldgebiet, im nördlichen Teil bis an die heutige Wellinghofer Straße mit Eichen, im südlichen Teil mit Buchen bestanden. In einem Bericht über die Domänen Waldungen der Grafschaft Mark von 1779 wird der Brücherhof als königliches privates Gehölz bezeichnet. Um 1790 gab es im Brücherhof 23 Wohnstätten. 1793 baute hier der aus dem Mansfeldischen abgeworbene Bergmann Johann Gottlieb Reiser ein Fachwerkhaus, das noch heute von seinen Nachkommen bewohnt wird. Zeitweilig war in dem Haus das Revierbüro für den umliegenden Bergbau. Als "Café Goch" war das Haus zwischen den beiden Weltkriegen ein beliebtes Ausflugsziel für die Hörder Bevölkerung. Südöstlich des Brücherhofs lag die Benninghofer Heide, die sich beiderseits der heutigen Luegstraße bis zum Loh erstreckte. Die Heide wurde 1793 aufgeteilt. Der Freiherr von Hauß verpachtete die ihm zugefallene nördliche Heidefläche 1804 und 1806 an die Kötter Bünger und Klemp. Im Jahre 1827 war die den Benninghofer Bauern gehörende südliche Heidehälfte größtenteils noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Bis zum ersten Drittel dieses Jahrhunderts standen auf dem in Ackerland umgewandelten ehemaligen Heideboden etwa 20 Wohnhäuser. Das östlich und südöstlich der Benninghofer Heide gelegene Loh war noch Anfang des 19. Jahrhunderts dicht bewaldet. Mit Loh bezeichnete man einst ein hochliegendes, weithin sichtbares Gehölz. In germanischer Zeit waren die Lohe heilige Haine und Opferstätten. Einstmals hat man hier im Loh zum Schutz vor wilden Tieren Wolfskuhlen angelegt, tiefe, mit Ästen und Reisig bedeckte Fallgruben. Möglicherweise sind die Menschen früher beim Graben dieser Wolfskuhlen auf die Kohlen gestoßen. In dem Bericht über den Bergbau im Amt Hörde von 1755 wird u. a. auch eine Kleinzeche "Schürft im Lohe" genannt. Es hat mit Sicherheit jedoch schon wesentlich früher Schürfstollen im Loh gegeben. Von größerer Bedeutung war jedoch erst die 1850 gegründete Zeche Elisabeth. Besitzer waren die vier Geschwister Klewitz, die die Zeche schon 3 Jahre später für 6000 Taler an die Hörder Hermannshütte verkauften. 1827 wurde im Loh der Wintersche Hof als erstes Haus errichtet. Eine dichtere Bebauung setzte erst nach dem Ersten Weltkrieg mit der durch Selbsthilfe geschaffenen Siedlung "Eigenheim" ein, um deren Gründung sich vor allem der Hörder Pfarrer August Schulte-Sodingen verdient gemacht hat. Bevor die Siedler aber ihre Häuser bauen konnten, mussten sie erst den dichten Wald roden.

 

aus: Kleine Geschichte des Amtes Wellinghofen
© Stadtsparkasse Dortmund 1983