Aus der Geschichte Benninghofens


 

Wie die meisten Dortmunder Vororte hat auch Benninghofen in den letzten Jahrzehnten eine geradezu stürmische Entwicklung erlebt. Wer Ende der fünfziger oder zu Beginn der sechziger Jahre hier zur Schule ging, konnte Benninghofen noch als weitgehend landwirtschaftlich geprägte dörfliche Gemeinde erleben, in der man während der Pause auch schon einmal auf dem Nachbargrundstück die Schlachtung eines Schweins beobachten konnte. Heute hat sich das ehemalige Dorf an der Benninghofer Straße und der Overgünne zu einem attraktiven Wohngebiet im Dortmunder Süden mit florierenden gastronomischen Anziehungspunkten, Ärzten und Apotheken, Frisören, einer Sparkassenfiliale und einigen Geschäften für den täglichen Bedarf gewandelt.
Je schneller sich die Lebenswelt der Menschen ändert, umso stärker wird oft das Bedürfnis, sich die Geschichte, das Herkommen zu vergegenwärtigen. Man möchte wissen, woher eine Familie stammt, welche geschichtliche Entwicklung eine Ortschaft, eine Stadt eine Landschaft genommen hat. Symptome für eine solches wachsendes Geschichtsbewusstsein sind die verstärkt zu beobachtenden Bemühungen um Familienforschung, um Orts- und Stadtgeschichte und die große Anziehungskraft von Trödel- und Sammlermärkten, die interessierten Besuchern die Möglichkeit bieten, kompensatorisch etwas historische Atmosphäre, einen Hauch von verlorener Vergangenheit und Tradition in die funktional durchgestylten modernen Wohnungen zu bringen. Wie sehr sich Benninghofen seit den sechziger Jahren verändert hat, zeigt ein kurzer Blick in die Geschichte unseres Ortes. Nicht nur die "Hauptstraßen" Benninghofens, die Benninghofer Straße und die Overgünne, haben in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich ihr Gesicht verändert, sondern der ganze Ort hat durch einige neue Siedlungen, weitere Wohnbebauung, den Neubau des evangelischen Gemeindehauses, der katholischen Kirche, der Kindergärten, der Benninghofer Schule (und den Abriss der alten Volksschule) sowie die Errichtung einiger Geschäftshäuser sein Gesicht nahezu vollständig verändert. Wenn man etwa die Postkarte betrachtet (vgl. Heft 1 Der Benninghofer), die die Benninghofer Straße zeigt, wie sie vor der Pflasterung, die in der Mitte der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts erfolgte, ausgesehen hat und sie mit ihrer heutigen Gestalt vergleicht, wird dieser Wandel unmittelbar erfahrbar.
Diese Veränderungen machten im Übrigen auch vor den Bauernhöfen Benninghofens nicht halt, die z.T. auf eine jahundertelange Geschichte zurückblicken können. Von den zu Beginn der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch bewirtschafteten sieben Höfen (Füßmann, Gräfenkämper, Kümper, Loos, Lueg-Althoff, Silbersiepe und Wilke) sind zu Beginn des 21. Jahrhunderts nur noch die Bauernhöfe Füßmann, Lueg-Althoff und Wilke übrig geblieben, die als Vollerwerbs- bzw. Nebenerwerbsbetriebe (Hof Füßmann) geführt werden. Aber auch die verbliebenen Höfe haben sich der geschichtlichen Entwicklung, die Benninghofen in den letzten Jahrzehnten erfasst hat, nicht entziehen können, wie etwa ein Blick auf die Geschichte des Hofes Lueg-Althoff belegt, der neben dem Steffenhof (heute: Wilke), Füßmann und Gräfenkämper über Jahrzehnte das (land-)wirtschaftliche Gesicht Benninghofens geprägt hat.

Lueg-Althoff

Der Hof, der in den überlieferten Urkunden erstmals im Jahre 1669 erwähnt wurde und wie andere Benninghofer Bauernhöfe ursprünglich ein Kotten war, der zu dem urkundlich erstmals in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnten Rittergut "Haus Benninghoven" (dessen - bis 1960 erhaltenes - Torhaus später als "die Burg" bezeichnet wurde) gehörte, wird in der siebten Generation von der Familie bewirtschaftet. Heinz-Wilhelm Lueg-Althoff, der den Hof im Jahre 1984 übernahm, führte 1988 die Direktvermarktung seiner Produkte ein (vor allem Eier und Wurstwaren). Frühzeitig erkannte man die Notwendigkeit, sich zu spezialisieren und konzentrierte sich auf Schweinemast, Eierproduktion, Getreideanbau und Grünlandbewirtschaftung. Die Veränderungen betrafen aber nicht nur die betriebswirtschaftliche Seite, sondern auch die Gebäude des Hofes: so wurde das ehemalige Hauptgebäude des Hofes, das alte Fachwerkhaus, an das sich manche Benninghofer noch erinnern können und das die Ställe und die Wohnung der Knechtsfamilie beherbergte, im Februar 1972 abgerissen und durch ein modernes Stallgebäude ersetzt.

Lueg-Althoff

Hans-Ulrich Lessing