Der Räuber vom Höchsten


 

Was für Robin Hood der Sherwood Forest - waren für ihn die Höchstener Wälder. Keine Räuberpistole: Er lebte im Dortmunder Süden. Dolf Mohr, die Sommerberger Variante des "Rächers der Witwen und Waisen", stellte seine Diebeszüge auch mal in den Dienst der Armen. Auf historischen Beutezug begibt sich Anja Pieper.
Zahlreiche Gendarmen hefteten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an seine Fersen. Dolf Mohr - gleich dreimal für "vogelfrei" erklärt - wurde steckbrieflich gesucht und auf seinen Kopf eine Belohnung von zehn Talern ausgesetzt. Verraten wurde das "äußerst gefährliche Subjekt", wie es im Steckbrief vom 4. November 1850 heißt, trotzdem nicht.
Von seinen Nachbarn im Bereich der Sommerberger Heide und der Berghofer Mark geachtet und geschätzt, hatte sich der Räuber Mohr längst einen Namen als Helfer der Armen gemacht - wobei er sich selbst offensichtlich als einen der ärmsten betrachtete.
Sollte der letzte Pfennig oder die letzte Kuh gepfändet werden, wurde der Dolf zu Rat gezogen. Er, der Räuber, wird's schon richten: Viele Geschichten ranken sich um die (Un)-Taten des Sommerberger Robin Hoods, der, bevor er sich auf das Ausheben von Kutschen und reichen Bauern verlegte, seine Brötchen als Fuhrmann verdiente.
So berichtet der Volksmund von einer armen Witwe, die beim Viehhändler eine Kuh anbezahlt hatte, den Rest der Kaufsumme aber nicht rechtzeitig begleichen konnte. Als der Händler unnachgiebig blieb, "Geld oder Kuh!", wandte sich die Frau in ihrer Not an Mohr. Der "lieh" ihr die fehlenden Taler. Nachdem die Witwe den Viehhändler bezahlt hatte, lauerte Mohr diesem auf, um ihm das Geld wieder abzunehmen. Auch eine Form von Geldkreislauf.
Die einen freuten sich, für andere war das (Un-)Wesen, das Dolf Mohr trieb, eher abschreckend. So machten die meisten Reisenden zu nächtlicher Stunde um den Höchstener Wald einen Bogen. Aber auch andere Straßen waren nicht mehr sicher.
Am Weg von Westhofen nach Aplerbeck zeigte sich, daß auch großen Herren kleine Bedürfnisse zum Verhängnis werden. Mohr hatte in Aussicht auf fette Beute dort schon seit dem frühen Morgen ausgeharrt, als sich eine Kutsche näherte. Von einem feuchtfröhlichem Fest kommend, mußten Gisbert von Romberg und seine Freunde anhalten, um dem Drang der Natur zu folgen. Für Mohr drängte sich etwas anderes auf: In Windeseile sprang er auf die Kutsche, stieß den Kutscher vom Bock und machte sich davon. Von der versilberten Beute gab es bei "Haselhof" bis tief in die Nacht reichlich Bier auf Mohrs Rechnung.
Eine ganz andere Rechnung machten die Ordnungshüter auf. Die "Sicherheit des Eigentums" sahen sie gefährdet. Sie kommandierten zusätzliche Gendarmen ab, um den Räuber und seine wechselnden Spießgesellen dingfest zu machen. Insgesamt siebenmal soll Mohr auf der Flucht auf Ordnungshüter geschossen haben, jedesmal zogen sie verletzt den Kürzeren.
Doch am 4. März 1851 wendet sich das Blatt. Als Dolf Mohr bei der Festnahme flüchtet, trifft ihn die Kugel des Gendarmen Mönkebüscher tödlich. Statt sich nach Amerika einzuschiffen - das hatte er geplant, weil ihm der Boden zu heiß wurde - werden die sterblichen überreste des 36jährigen im "Gottesacker" bei der Hörder Stiftskirche begraben.

Lange Zeit galt der Grabstein als verschollen. Den Kopf des Steines, der 1985 bei Bauarbeiten zu Tage kam, konnte die Geschichtswerkstatt retten. Deren Mitarbeiterin Katja Müller hat auch Mohrs Geschichte in "Ein Räuberleben in der 48er Revolution" dokumentiert.

aus der Chronik des Schützenvereines Benninghofen-Brücherhof-Loh