Rittergut Benninghofen


 

Das Rittergut Benninghofen

Nur ein kleiner Rest des früheren Rittersitzes zeugt von entschwundener Herrlichkeit. Es ist das Torhaus, seit langer Zeit zu Wohnungen umgestaltet. Noch sind die zugemauerten Torbogen kenntlich, durch die in der Glanzzeit des Rittertums vielleicht die Turnierkämpfer in prächtigen Rüstungen, mit wappengeschmückten Schilden und Federbusch-wallenden Helmen zum fröhlichen Kampf einritten in den weiten Burghof, von der Altane des schönen Herrenhauses durch Tücher und Händewinken freudig begrüßt von dem ritterlichen Burgherren und seinen Frauen. Auch später hat Haus Benninghofen noch glänzende Fest erlebt und Angehörige der bedeutensten Familien des märkischen Adels in seinen Räumen beherbergt, aber, "seine Mauern sind zerfallen" und auf der Stätte des einstigen Herrenhauses reckt noch ein sehr prächtiger alter Baum seine riesigen Äste in ungebundener Freiheit, als wollte er die horchende Nachwelt mahnen an die Pietät, die man Denkmalen vergangener Jahrhunderte schuldig ist. Wie alle Rittersitze, so war auch Haus Benninghofen mit einer breiten Gräfte eingefasst, deren Wasser, ein tief liegender Graben, zum Marksbach führte. Wann es erbaut ist, lässt sich nicht feststellen. Vor 1243 gehörte es zur sogenannten "Krummen Grafschaft", die ein Gerichtsbezirk der Limburger Grafen war. Später finden wir Benninghofen im Besitz des Ritters "Sluc von Jesece" (Jeseke), der sich "Herr von Benninghofen" nannte. Nach der Sage soll schon 1324 ein Ludolf von Benninghofen unter seinem Lehnsherren, dem Grafen Engelbert II. von der Mark, nach der Schlacht bei Mühldorf an der Zerstörung der Burg Vollmarstein geholfen haben und dort im Kampf gefallen sein.
Auf Ludwolf von Benninghofen folgte wie schon gesagt "Henrich to Benninckhouve". Nach denen von Benninghofen waren die Holteys, nach diesen die Vietinghoffs, nach diesen das Geschlecht derer von Altenbockum im Besitze des Hauses. Danach kamen (1694) die Neuhoffs, genannt Ley, nach denen die von Schütz, danach die von Hauss, und schließlich (1822) der Landwirt Steffen, bis endlich das Gut zerfiel und aufgeteilt wurde. 1822 habe noch 41 Morgen Land dazu gehört.

Ein tragisches Geschick hat über dem Haus Benninghofen gewaltet. In keiner der Familien derer von und zu Benninghofen ist je ein männlicher Erbe erstanden.
So spann die Sage ein Netz grauer Fäden um Stein und Gebälk, und wer herunter zum Marksbach geht, der einst die Gräfte des Hauses speiste, der wird sein melancholisches Rauschen zu Worten deuten, die von düsteren Geschehnissen aus längst vergangener Zeit also berichten:
Mönche und Schreiber verzeichneten zuunterst auf ihren Pergamenten die Jahreszahl 1324, als Graf Engelbert II. von der Mark, ein streitlustiger Herr, seine Getreuen wieder einmal zum Kampfe rief. Einer der ersten, die folgten, war Ludolf von Benninghofen. Sein kleiner Bub Henrick sah dem davon reitenden Vater nach. Er sollte ihn nicht wiedersehen. Ein Tag der Schlacht kam, heiß ging es her, bei Mühldorf. Übermütig wurden die Sieger. Sie zogen zur Burg Vollmarstein, sie zu zerstören, was auch geschah. Selbst die Frauen wurden dabei nicht geschont, ja nicht einmal die noch Ungeborenen, und es war der Ritter Ludolf von Benninghofen, der sich dabei hervortat.
Nach dem grausamen Morden klagte am zerstörten Brunnen eine zu Tode verwundete junge Mutter um das Leben des Kindes, das sie trug, und um ihr eigenes Dasein, das am erlöschen war, wie die Flammen in den rauchenden Trümmern. Ein Rabe hörte das Jammergeschrei. Er blieb hocken, bis es verstummte, dann flog er fort. Einer seiner Flügel streifte den Helm Ludolf von Benninghofens, und noch ehe der Abend kam, war dessen Träger ein toter Mann. Der Rabe ruhte nicht. Bald brach sich sein düsteres heiseres Gekrächze an den Mauern von Benninghofen, bald klang das Rauschen der Linden im Hof und das Klatschen der kleinen Wellen des Burggrabens und das Gemurmel des Marksbaches wie die Klage jener jungen sterbenden Mutter auf der Burg Vollmarstein.
Das Glück wich aus den Räumen des Burghauses. Es sind seither mehr Menschen in ihnen gestorben als Kinder in ihnen das Licht der Welt erblickten und endlich zerfielen sie trotz meterdicker Mauern. Die Grabdenkmäler in Wellinghofen reden davon. Die Zeit ging weiter. Der Fluch ist gewichen. Um das, was noch vom Hause Benninghofen steht, spielen Buben und Mädchen, schauen dem surrenden Vogel nach, der hoch über ihnen Dortmund-Wambel zufliegt, und denken an keine brennende Burg, an keine sterbende Mutter, und nicht an Rabenfluch und an die alten Zeiten.
Brief des Hermann Benninghofen von 1929