Hans Tombrock


 

Hans Tombrock - ein bedeutender Maler aus Benninghofen

Hans Tombrock, ein in den 20er bis sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in ganz Europa bekannter Künstler stammt aus Benninghofen!
Seine Bilder waren in den Museen in Madrid, Berlin, Hamburg, Dortmund, Oslo usw. zu sehen, bis sie, jedenfalls in Deutschland, von den Nationalsozialisten entfernt und vernichtet wurden. Genau vor jetzt 110 Jahren wurde er am 21.07.1895 als 16. Kind einer Benninghofer Bergarbeiterfamilie geboren. Sein Vater war Bergmann und als sein Sohn ging auch er nach sieben Jahren Volksschule 14jährig zur Zeche: als Pferdejunge und Schlepper unter Tage. Nach anschließenden bewegten Jahren als Leichtmatrose, Soldat im ersten Weltkrieg, Deserteur und Revolutionär verschlug ihn die Arbeitslosigkeit auf die Landstraße, wo er - obdachlos - vagabundierte bis er in der Begegnung mit andern Malern und Schriftstellern der "Bruderschaft der Vagabunden" (1927-1933) zum bedeutendsten Maler und Graphiker dieser Gruppe wurde. Seine Bilder - das Elend des Lebens auf der Landstraße darstellend von einem, der dasselbe Schicksal teilt - wurden seit 1930 so allgemein anerkannt, dass sie von Museen und Privatsammlungen in Deutschland, der Schweiz, Spanien, den kanarischen Inseln, Schwedens und Norwegens gekauft wurden! Als Hitler an die Macht kam floh er, als "entarteter Künstler" verfehmt, über die Schweiz schließlich nach Schweden. Dort wurde er von der schwedischen Arbeiterbewegung willkommen geheißen und konnte unter sehr guten Bedingungen weiterarbeiten. Und er lernte einen berühmten deutschen Flüchtling im liberalen schwedischen Exilland kennen, der sich mit ihm befreundete, nämlich Bertolt Brecht! Tombock illustrierte zahlreiche Werke von Brecht mit Zeichnungen und Radierungen und portraitierte Brecht in eindrucksvollen Bildnissen. Umgekehrt schrieb Brecht für Tombock Verse, die dieser in seine Bilder mit aufnahm. Im September 1946 kehrte Tombrock nach Dortmund zurück, wo er eine Kunstschule begründete. 1949 wurde er als Professor an die Kunsthochschule in Weimar berufen und anschließend an die in Berlin-Weißensee. Im Konflikt mit der Kunstpolitik der DDR verließ er gemeinsam mit den meisten seiner Schüler das Land und lebte danach in Dortmund und Stuttgart, zwischendurch immer wieder nach Marokko reisend, das ihm zur zweiten Heimalt wurde.
1965 fand die einzige große Tombrock-Ausstellung zu seinen Lebzeiten statt. Eine erheblich umfangreichere wurde erst 2004 in Berlin gezeigt und wird 2006 durch Schweden wandern. Im August 1966 starb Hans Tombrock in Stuttgart.
Wer sich mit dem Werk dieses bedeutenden Malers zwischen Expressionismus, Realismus und zuletzt sogar Surrealismus beschäftigen will, kann das mit dem 2004 erschienenen Buch tun:
Bertolt Brecht und Hans Tombock. Eine Künstlerfreundschaft im skandinavischen Exil. Klartext-Verlag Essen 2004 (= Schriften des Fritz Hüser-Instituts, Ausstellungskataloge Bd. 11). Erhältlich durch jede Buchhandlung. Das Buch bringt, über die Künstlerfreundschaft zwischen Tombrock und Brecht hinaus, einer Gesamtdarstellung des Werkes von Hans Tombrock aus der reichen Sammlung des Fritz-Hüser-Instituts Dortmund, die Tombrocks Nachlass bewahrt.
Wer das Fritz Hüser-Institut besuchen will, entweder um sich einiges anzusehen oder aber um dem Institut evt. noch Hinweise auf Tombrocks Verwandte in Benninghofen und Umgebung, die bis her unbekannte Adresse seines Benninghofer Geburtshauses (zu dem ein Foto existiert) oder Hinweise auf sein Werk zu geben, dem sei die Adresse genannt:
Fritz Hüser Institut, Ostwall 64 (Haus des Jugendamts)
44135 Dortmund, (50-23135)   www.fritz-hueser-gesellschaft.de

von Prof. Dr. Rainer Noltenius

 

Hans Tombrock 1928